Wer aufhört besser werden zu wollen, hört auf gut zu sein.
Die großen Sachen dieser Welt geschehen nur weil jemand mehr tut als er muß.
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(16.01.2013)
Der Stuckateur - ein vielseitiger Beruf

Historie

Der Beruf des Stuckateurs leitet sich vom italienischen Wort "stucco" ab und bezeichnet die plastische Ausformung von Mörteln, zumeist an Decken und Wänden. Die ältesten Überlieferungen der Baugeschichte belegen, daß Stuckornamente schon im Altertum (ca. 1500 v. Chr.) zur Verzierung eingesetzt wurden. Ein Relikt der griechischen Baukunst ist die griechische Säulenordnung, die noch heute gelehrt und praktiziert wird. Durch wandernde Stuckateure verbreiteten sich die Stucktechniken ausgehend von Italien über die Alpen bis nach Deutschland. Die Bekanntmachung der Stucktechniken verdanken wir auch den deutschen Klöstern, die im frühen Mittelalter sehr viel zur Verbreitung von Wissenschaft, Kunst und handwerklichen Fertigkeiten beitrugen. Mit dem Baustil der Renaissance (Wiedergeburt der Antike) aus Italien entdeckte man um ca. 1500 die unendlichen Gestaltungsmöglichkeiten durch Stuckarbeiten. Die Blütezeit der Stuckaturen ist der prunkvolle und wuchtige Stil des Barock (ca. ab 1650) aus dem schließlich der spielerisch leichte Rokoko entstand. Bauwerke jener Epoche sind Gesamtkunstwerke aus Architektur, Stuck, Plastik und Malerei (Fresken). Der Stuckateur gilt hierbei nicht als Handwerker sondern als Künstler. In Deutschland bilden sich sogenannte "Stukkadoren-Schulen", wie beispielsweise das Haus Wessobrunn, aus dem berühmte Stuckateure hervorgingen. Die mit der Renaissance begonnene Formenvielfalt, die sich über Barock und Rokoko fortentwickelt hat, konnte keine Steigerung mehr erfahren. Durch die französiche Revolution 1789 und die beginnende Industrialisierung tritt das Kunsthandwerk deutlich zurück. Man baut fortan schlicht und einfach zweckorientiert, demzufolge einfach sind auch die Stuckarbeiten dieser Zeit. Der Klassizismus (1755-1830) orientiert sich an den Vorbildern der griechisch/römischen Antike. Beispiele hierfür sind das Brandenburger Tor in Berlin oder der Triumphbogen in Paris. Der nachfolgende Historismus ist eine Wiederholung historischer Bauformen mit den technischen Möglichkeiten des 19. Jahrhunderts, z.B. der Reichstag in Berlin. Um 1900 kommt in Deutschland der Jugendstil auf, der sich durch die Baukunst der floralen Ornamentik auszeichnet. Sinnbildlich für diese Epoche ist die Suche nach neuen Formen und die in Bewegung geratenden Stuckaturen, die sich an geschwungener Linienführung und dem pflanzlichen Wachstum orientieren. Generell ist die Bedeutung des Stucks im 20./21. Jahrhundert für neue Bauwerke eher gering. Der Stuckateur wird häufig zum Denkmalpfleger. Erst mit Beginn der Postmoderne ab ca. 1960 werden die Bauwerke wieder durch Individualität und Selbstverwirklichung charakterisiert. Das Motto lautet "Emotion statt Funktion", die geschmackvolle Anwendung von Stuckarbeiten ist wieder gefragt.

 

Heute

Der Stuckateur von heute ist ein echter Allrounder, er muß vieles wissen und können. Zu seinen Aufgabenbereichen zählen neben dem gesamten Sektor der Innen- und Außenputze auch die fachgerechte Rekonstruktion alter Stilfassaden. Die Techniken des modernen und effizienten Trockenbaus muß er ebenso beherrschen wie die althergebrachten Fertigkeiten der Rabitzarbeiten. In Zeiten des Klimawandels, der Energieeinsparung und der möglichst effektiven Ausnutzung der Rohstoffe ist die Wärmedämmung von Gebäuden ein zentrales Betätigungsfeld des Stuckateurs. In diesbezüglich festgelegten Verordnungen muß der Stuckateur firm sein. Auch die Herstellung von Estrichen gehört ebenso zu den Arbeiten die der Stuckateur erledigt, wie auch der Gerüstbau. Damals wie heute ist er für das vielfältige Feld der Stuckarbeiten zuständig. Der Stuckateur gehört zu den schmückenden Bauberufen, Geschmack und künstlerisches Gespür im Umgang mit den traditionellen Schmucktechniken zeichnen ihn aus. Stuck muß nicht zwingend im klassischen Stil hergestellt werden, sondern läßt sich auch zeitgemäß in Szene setzen. Egal ob antike Säulen oder Kassettendecken, egal ob Sgraffito (Putzkratztechnik) oder Stuckmarmor, der gestalterischen Fantasie sind keine Grenzen gesetzt.

 

Referenzen Stuckarbeiten



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